Afrika unbekannt

Sterne in der Sahara

Mit jedem Kilometer entferne ich mich immer weiter von der Zivilisation. Die Internetverbindung bricht schon nach einer Stunde ab, ein paar Stunden später verabschiede ich mich von der Asphaltstraße. Reisen in die Sahara zeigen, was wirklich wichtig ist. “Amman Imman” – ich erinnere mich an die Worte eines Tuareg-Bluesers. Wasser ist Leben. Genauso wie der Führer, der weiß, wie man weitere Brunnen findet und wo man sein Lager sicher aufschlägt.

Wir reisen in einem einfachen Rhythmus durch die Sahara: 5-6-7. Um fünf Uhr wachen wir auf und schlagen das Lager auf. Um sechs Uhr Frühstück in den ersten Sonnenstrahlen. Um sieben krabbelt die Hitze aus dem Schatten und wir ziehen weiter. Bis zu unserem Ziel, den Felsbögen und -türmen von Ennedi, sind wir drei Tage unterwegs. Wir passieren trockene Flüsse, grasbewachsene Ebenen, einsame Akazien und Wolfsmilchbüschel. Beim nächsten Biwak sehe ich einen tollen Ort für Nachtaufnahmen. Rundherum ist es leer, nur drei einsame Bäume bilden eine malerische Komposition. Ich stelle das Zelt im Gras auf, baue das Stativ auf und fotografiere eine Stunde lang die am Himmel wandernden Sterne. So entstehen Fotos mit Sternenspuren in Form von hellen Linien.
Ich bin in den Tschad gereist, um ungewöhnliche Felsen, Wüste und Sterne zu fotografieren. Wenn man sich die Karte der Lichtverschmutzung ansieht, gibt es an diesem Ort einen riesigen schwarzen Fleck. Ich bin Hunderte von Kilometern von der nächsten Elektrizität entfernt. Das heißt, ich bin auch von einem Krankenhaus und allen anderen Annehmlichkeiten der Zivilisation getrennt. Und die Wüste ist – trotz ihres Namens – nie leer. Das Leben versteckt sich unter dem Sand und den Steinen. Zum Beispiel Skorpione, die im Licht einer gewöhnlichen Taschenlampe praktisch unsichtbar sind, deren Panzer aber bei Beleuchtung mit einer UV-Taschenlampe weiß leuchtet. Auf diesem Campingausflug habe ich über zehn von ihnen gezählt! Zu meinem Glück verstecken sie sich in ihren Höhlen, sobald sie das Licht der Taschenlampe sehen, aber wer weiß, was ihnen dann in den Kopf kommt! Oder Spinnen – ich habe keine Ahnung, woher sie kommen; anscheinend ist die Wüste gut für sie, denn es gibt immer irgendwo eine. Und Schlangen, von denen es in der Sahara die Hornviper gibt, die “Express to Allah” genannt wird. Wenn sie dich beißt, du kannst deiner Reise ins Jenseits sicher sein.

Ich bin seit Jahren in Wüsten unterwegs. Als Reiseführer führe ich Menschen in die Sahara, die Namib und die Kalahari, und ich sage ihnen immer dasselbe: Wir können das Leben hier zwar nicht sehen, doch es kann uns beobachten! Aber all diese gefährlichen Tiere wollen uns gar nicht wehtun! Sie werden am glücklichsten sein, wenn sie uns nie begegnen! Um ihnen (und dir!) eine Chance zu geben, in Ruhe zu überleben, brauchst du also zwei Dinge: bedeckte Schuhe (damit du geschützt bist, falls du auf ein Tier trittst) und ein gutes Zelt.
Was “gut” bedeutet, ist ein heißes Thema in Reiseforen. Jeder hat seine eigenen Erwartungen und Erfahrungen. Für mich die wichtigsten Dinge sind: Gewicht, Volumen, einfacher Aufbau und (bei manchen Reisen) Belüftung. Unbezahlbar in heißen Nächten! Deshalb habe ich auf meiner Expedition in den Tschad das Core-tent®LODGER von BUSHMEN® mitgenommen.

Es ist ein modernes Modell, das Moskitonetz und Zelt kombiniert. Dank der Tatsache, dass die Zeltseiten aus einem feinen Netz bestehen, kann nichts eindringen, und gleichzeitig kann man die Welt um sich herum beobachten, während man im Zelt liegt. Das ist wichtig, wenn ich nachts aufstehe, um Fotos zu machen oder Sonnenaufgänge zu beobachten! Das Zelt ist groß genug, um meine Kameratasche und mein Gepäck unterzubringen, und ich habe meine Taschenlampe und mein Toilettenpapier in den Innentaschen verstaut (strategische Dinge in der Nacht!).
Zwei Eingänge sind auch eine gute Lösung – je nach Bedarf kann man das Core-tent® von vorne oder von der Seite betreten. Und wenn Sie zusätzlichen Schutz brauchen (Schatten, Regen), legen Sie einfach eine Plane darüber.
Doch im November ist es im Tschad heiß. Wenn ich um zwei Uhr morgens aufstehe, um weitere Sternenbilder zu machen, muss ich nicht einmal mein langärmliges Hemd anziehen.
Die Vielfalt der Saharalandschaften ist faszinierend. Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich nicht um ein Meer aus Sand und gelben Dünen. Viel häufiger sind es riesige Steinflächen, manchmal mit Felsen in den phantasievollsten Formen – kein Wunder, dass Ennedi in die UNESCO-Liste aufgenommen wurde! Als wir an unserem Ziel ankommen, werden wir von riesigen Ausläufern begrüßt, genau wie das aus Western bekannte Monument Valley.

Nur Kamele im Vordergrund erinnern uns daran, dass wir uns doch in Afrika befinden. Unser nächstes Biwak liegt in der Nähe des Bachikele Arch. Wieder bleibe ich die halbe Nacht wach und fotografiere Felsen und Sterne. Vor der Morgendämmerung wandere ich auf den Gipfel des Hügels, um die Geburt des Tages zu beobachten. Der Sonnenaufgang in der Sahara hat etwas Mystisches an sich, und der Bachikele Arch erinnert an den berühmten amerikanischen Delicate Arch. Nur dass es im Umkreis von Hunderten von Kilometern keine Touristen gibt! Nur die einsamen Siedlungen des Toubou-Volkes, für das die Sahara ihre ganze Welt ist. Wenn es kein Futter mehr für die Tiere gibt, packen sie ihre wenigen Habseligkeiten zusammen, rollen ihre Häuser aus geflochtenen Matten zusammen und wandern davon. Wenn ich mir ihr Leben ansehe, denke ich mir, dass sie wahre Kinder von Dune sind – sie können dort überleben, wo die meisten Menschen schon längst gestorben wären.
Ein kleines Paradies der Toubou (ihr Name bedeutet “Felsenmenschen”) sind die Guelts, die Schluchten mit Flüssen. Obwohl die Flüsse meist unter dem Sand versickern, bilden sie zwischen den Felsen Teiche. In ihnen kann man Esel und Kamele tränken, man kann Wasser in Kanistern holen und in die Siedlung bringen. Guelts spenden wohltuenden Schatten und rascheln mit Palmenblättern. Dies ist ein beliebter Spielplatz für Kinder, der auch ihre Schule des Lebens ist. In eine richtige Schule werden sie wahrscheinlich nicht gehen, weil es in der Gegend einfach keine Schulen gibt. Aber für sie ist es wichtiger zu wissen, welche Pflanzen heilen, wie man Wasser findet, wenn es an der Oberfläche knapp ist, oder was zu tun wenn ein Kamel lahmt.
Wir verlassen die grüne Oase und reiten in den nächsten Stunden durch unwirtliche Leere. In der Abenddämmerung erreichen wir den Wald der Habeiki-Türme. Ich liebe Felsen, ich habe schon viele fantastische Landschaften gesehen, doch dieser Ort hat mich verzaubert.Man stelle sich den Streitkolben des Herkules vor, setze ihn in den gelben Sand und füge hundert Felstürme hinzu, die der Wind phantasievoll geformt hat. In einer solch fabelhaften Landschaft schlagen wir unser Lager auf! An diesem Abend sitzen wir bis spät um das Lagerfeuer. Wir unterhalten uns, scherzen, niemand kommt in die Versuchung, auf das Telefon zu schauen: Hier gibt es keinen Empfang. Wie gut, dass es noch solche Orte auf der Welt gibt! Und es ist gut, dass ich am nächsten Tag im Auto ein wenig schlafen kann, denn ich verbringe eine weitere Nacht mit Fotografieren. In der Morgendämmerung beobachte ich, wie die bunten Wolken auf dem Hintergrund der schwarzen Felsen tanzen, die ersten Sonnenstrahlen färben die Felsen in einem intensiven Rot. Die Wüste verwöhnt uns einmal mehr mit ihrer Schönheit.
Unser nächstes Ziel ist die Ounianga-Seenplatte.
Vor langer Zeit, als die Sahara noch eine grüne Savanne war, erstreckte sich hier ein riesiger See. Elefanten und Giraffen durchstreiften die grünen Wiesen, wovon die Felszeichnungen zeugen, die an verschiedenen Stellen der Sahara hinterlassen wurden (allein in Ennedi gibt es mehrere Tausend davon!). Einige einsame Seen (meist salzhaltig) haben bis heute überlebt und wurden von der UNESCO als einzigartiges Ökosystem geschützt. Palmenbüschel spiegeln sich im Wasser, pastellfarbene Dünen ziehen sich darum herum. Es sieht wahnsinnig aus, zumal das Wasser in einem der Seen frisch ist und man darin schwimmen kann. Unglaublicher Luxus!
Nur dass wir am Anfang einen Fehler machen. Wir haben einen riesigen Flamingo mitgebracht, einen von denen, die im Sommer in den sozialen Medien regieren. Und als wir ihn ins Wasser werfen, kommt der örtliche Ranger zu uns gerannt und schreit. Was hat ihn so wütend gemacht? Er hatte so etwas noch nie gesehen und hatte zu Recht Angst, dass wir das Wasser verunreinigen könnten. Das ist doch die einzige Wasserstelle in der Gegend! Ich versichere ihm feierlich, dass unser Flamingo harmlos ist, dass wir ihn nach dem Bad wieder mitnehmen würden und dass das Wasser ganz sicher nicht verunreinigt würde.

Alles in allem ist sein Ärger verständlich – er kümmert sich um diesen See für die ganze Gemeinde, und es kam uns nicht in den Sinn ihm den Flamingo vorher zu zeigen und um Erlaubnis zu bitten, ihn ins Wasser reinbringen.
Da es hier Wasser gibt, muss man mit der Anwesenheit von verschiedenen Lebewesen rechnen. Diejenigen, die einem tagsüber das Leben schwer machen, sind die Fliegen (ernsthaft, sogar hier muss es so viele von ihnen geben?!), während die, die sich nachts herumtreiben, Skorpione sind. Deshalb schließe ich das Zelt jedes Mal sorgfältig, wenn ich es verlasse – ich möchte keine unerwartete Gesellschaft darin entdecken. Als wir nach einer weiteren Nacht mit dem Packen des Lagers beginnen, ruft plötzlich meine Namensvetterin Ania: – Seht mal, wer bei mir geschlafen hat!

Ein Skorpion hat sich unter dem Boden ihres Zeltes versteckt! Von unserer Anwesenheit leicht in Panik versetzt, rannte er schnell weg (und diese Kreaturen sind wirklich schnell!) und grub sich nach einer Weile im nächsten Zelt ein! Gut, dass ich mich entschieden habe nicht unter freiem Himmel zu schlafen. Das hätte böse enden können.
Bevor wir weiterziehen, setze ich mich mit einem Kaffee vor das Zelt. Ich schaue auf all die Schönheit um mich herum. Irgendwo da draußen ist eine geschäftige Welt, das Chaos der Informationen strömt auf Knopfdruck heraus, die Menschen haben keine Zeit zum Leben. In ein paar Tagen werde auch ich in diese Welt zurückkehren. Aber sobald ich kann, werde ich sie ohne Bedauern verlassen. Die flüchtige Harmonie des Lebens hier und jetzt auf meiner nächsten Reise (egal ob mit dem Kajak in Polen oder mit dem LKW in der Wüste) zu finden. Völlig offline zu sein, doch näher bei mir selbst.

copyright© by Anna Olej-Kobus
copyright© für die Übersetzung
by Juliusz Wojciechowicz

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